Richtige Ernährung zum Abnehmen: Ein völlig neuer Ansatz, um den Weg zu finden, der zu dir passt

Auf der Suche nach der richtigen Ernährungsweise, die einem wirklich beim Abnehmen hilft, stolpern wir früher oder später über ein Paradox. Alle Diäten funktionieren und gleichzeitig funktioniert keine einzige Diät. Wie kommt das?

Alle Diäten funktionieren, denn ansonsten würden sie kein bisschen Aufmerksamkeit erregen. Seltsamerweise gibt es sogar eine Fast-Food-Diät, die auf den ersten Blick selbst ein Paradox ist.

Jedoch funktioniert keine einzige Diät für alle. Genau deshalb gibt es so viele Menschen, die zahlreiche Ansätze ausprobiert haben und dennoch nicht langfristig abnehmen konnten. Doch warum ist das so und was kann man dagegen machen?

Die Komplexität des Menschen

Lasst uns zunächst einen kleinen Exkurs in die Erforschung des menschlichen Körpers machen, um zu verstehen, warum die meisten von uns nichts verstehen.
Die Forscher sind sich in wenigen Themen absolut einig. Kein Gelehrter dieser Welt wird jedoch bestreiten, dass der menschliche Körper das komplexeste System ist, das wir im gesamten Universum kennen.

Jeder Neurologe würde ohne zu zögern behaupten, dass das menschliche Gehirn das komplexeste System ist, das wir im Universum kennen. Auch diese Aussage würde stimmen, mit dem Zusatz, dass das Gehirn nur ein Teil, ein untergeordnetes System unseres Körpers ist.

Unser Körper besteht aus zahlreichen Untersystemen. Wir nennen sie Organe, Geweben, Zellen, Organellen, Signalpfade und diese Liste könnte noch viel länger werden. Weiterhin wird unterschieden zwischen lokalisierbaren Organen, wie der Leber, und systemischen Organen, wie dem Immunsystem.

Auch Appetit und Hunger sind ein komplexes System, das über den gesamten Körper verteilt ist – und keines dieser Systeme ist vollständig erforscht und verstanden, weil sie sehr komplex sind und sich gegenseitig beeinflussen.

Systeme von Menschenhand und Evolution geschaffen

Es ist sehr schwer nachzuvollziehen, wie gigantisch die Komplexität dieser Systeme ist. Nehmen wir als Beispiel ein relativ “simples” System, wie die NASDAQ, die größte elektronische Finanzbörse der USA. Wenn es jemanden gäbe, der das System vollständig verstünde, dann könnte diese Person ein nahezu unbegrenztes Einkommen daraus generieren.

Daher gibt es auch Hunderttausende Börsenanalysten, die jede Woche 60-80 Stunden ihrer Zeit in die Analyse der Wert- und Preisbewegungen investieren, um das System zumindest ein ganz klein wenig zu verstehen und daraus einen Nutzen zu ziehen.

Auf der NASDAQ finden täglich etwa 30 Millionen Transaktionen statt und viele dieser Transaktionen beeinflussen sich gegenseitig, was zum maximalen Chaos führt. Die Herausforderung für den Analysten ist, in diesem Chaos zumindest einige wenige Regelmäßigkeiten zu erkennen.

Das menschliche Gehirn hat hingegen etwa 86 Milliarden Neuronen, die etwa 30-100 Milliarden Mal pro Sekunde feuern. Genauso, wie die Transaktionen auf der Börse, beeinflussen sich die neuronalen Signale gegenseitig und lassen ein Chaos entstehen, das jedoch einer gewissen Ordnung folgt, die wir dann Bewusstsein nennen.

Das menschliche Gehirn produziert jedoch mehr als 1000-mal so viele Informationen pro Sekunde, wie die gesamte NASDAQ pro Tag. Behalten wir jedoch im Hinterkopf, dass das Gehirn nur ein Untersystem des Körpers und die neuronalen Signale nur eine von vielen Arten der Informationsübertragung sind. Weiterhin gibt es Informationssysteme die durch Hormone, Cytokine und natürlich auch durch Genetik und Epigenetik gesteuert werden. Daher ist der sinnvollste Weg, experimentell herauszufinden, was für jeden einzelnen von uns individuell funktioniert.

Warum wir die Individualität in Sport und Ernährung viel ernster nehmen sollten

An dieser Stelle möchte ich gerne ausführlicher erläutern, warum gerade eine individuelle Herangehensweise unerlässlich ist. Viele Menschen leben in der Annahme, dass die Lösungen, die uns die Medizin, Pharmakologie, Sport- und Ernährungswissenschaft bieten, für alle als gleichwertig zu betrachten sind. Leider entspricht das nicht der Realität. Das würde die Welt so viel einfacher machen.

Wenn ein Arzt einem Patienten ein Medikament für ein gewisses Leiden verschreiben muss, dann hat er in der Regel mehrere Optionen dafür. Der Patient könnte gegen ein bestimmtes Medikament allergisch sein, oder es nicht vertragen.

Er könnte auch bereits ein anderes Medikament einnehmen, das die gleichzeitige Einnahme von bestimmen Medikamenten ausschließt. Daher wird der Arzt niemals allen Patienten dasselbe Medikament verschreiben, sondern bei jedem Patienten individuell entscheiden, welches Mittel am besten geeignet ist.

Damit die Ärzte solche Entscheidungen überhaupt treffen dürfen, müssen sie 10 Jahre harte Ausbildung hinter sich bringen. Wenn alle Menschen gleich wären, dann bräuchten wir keine Ärzte und Rezepte.

Wir bräuchten lediglich einen großen Online Shop für Medikamente, in dem man seine Beschwerden eintragen würde und das richtige Medikament zugeschickt bekommt. Sowas wie ein Apotheken-Amazon mit KI-Anbindung.

Wenn wir die individuelle Herangehensweise in der Medizin für sinnvoll und notwendig halten, warum tun wir das bei Sport und Ernährung nicht? Nicht alle Menschen sollten sich kohlenhydratarm ernähren, aber auch nicht alle sollten Kohlenhydrate in Massen verschlingen. Nicht alle Menschen sollten Joggen, oder schwere Gewichte heben, oder Burpees in ihr Trainingsprogramm aufnehmen.

Es gibt lediglich ein paar Empfehlungen, die für alle gelten und einige weitere Empfehlungen, die für die meisten von uns gelten. Alles, was darüber hinaus geht, ist ein lebenslanger Weg der Erforschung des eigenen Körpers. Wie kannst du das angehen? Lies weiter.

Welche Ernährung passt zu mir? Dein kurzer Entdeckungsguide:

Es sind die kleinen Sachen, die uns maßgeblich prägen, sofern wir sie täglich angehen. Es sind die Details, die oft das große Bild ergeben.

Die Methode mit der du die Ernährung, die zu dir passt findest ist extrem einfach. Der Trick besteht darin, den Autopiloten auszuschalten und das Essen bewusster wahrzunehmen, ehrlich zu sich zu sein und nicht mehr auf die Tricks der Nahrungsmittelindustrie hereinzufallen. Wenn das mal so einfach wäre, denn woher weiß man, ob man auf einen miesen Trick reingefallen ist? Vielleicht helfen dir die folgenden Schritte dabei achtsamer zu sein.

In nur vier einfachen Schritten kommst du schnell zum Ziel. Los geht es:

Schritt Nummer 1: Erstelle eine Liste aus allen Speisen, die dich glücklich machen

Betrachte diesen Schritt nicht als eine einmalige Aufgabe, sondern als einen ständigen Prozess. Der Weg ist das Ziel. Erstelle eine Liste aus allen Speisen, die dir am meisten schmecken.

Denke nicht darüber nach, ob die Speise „gesund“ oder „ungesund“ ist, oder darüber, wie viele Kalorien sie hat. Schreib einfach alles nieder und füge in den nächsten Tagen und Wochen weitere Punkte hinzu, die dir später noch einfallen.

Lass dir Zeit. Dein Unterbewusstsein wird dir immer wieder neue Ideen liefern. Mir ist neulich die Mango-Chili-Soße eingefallen, die ich vor über einem Jahr nur einmal gekauft hatte.

Vielleicht wird deine Liste 20-30 Speisen enthalten, oder einige Hundert davon – versuche jedoch bitte stets, diese Liste weiterhin zu vervollständigen.

Das Wichtigste ist jedoch: Schreibe dir die Lebensmittel/Speisen, die dich glücklich machen WIRKLICH auf. Es reicht eben manchmal doch nicht „einfach im Kopf“ eine Liste zu machen und den Punkt abzuhaken, um zum nächsten zu gelangen.

Schritt Nummer 2: Filtere die Geschmackshacker aus deiner Liste heraus

Wir genießen das Essen auf sehr vielen Ebenen. Auf der grundlegendsten Ebene genießen wir die schlichte Kalorienzufuhr und das Stillen des Hungers. Dieser „Genuss“ lässt sich auch mit fadem, gedünsteten Broccoli erreichen.

Die zweite Ebene ist die Intensität des Geschmacks. Die dritte Ebene ist schließlich die Befriedigung der Präferenz. Das heißt, dass du genau die Speise genießt, die deinem persönlichen Geschmack am meisten entspricht.

Dir würde beispielsweise ein Wiener Schnitzel hervorragend schmecken, sofern du absolut keine Wahl hast. In einem Restaurant würdest du jedoch ein Porterhouse-Steak oder veganes Chili bestellen, weil damit deine Präferenz besser gedeckt ist und der gesamte Genuss der Speise höher ausfällt.

Die Nahrungsmittelindustrie weiß natürlich nicht, was deine persönliche Geschmackspräferenz ist. Das muss sie auch nicht, denn es gibt Zielgruppen für alle Speisen, selbst Surströmming.

Die Nahrungsmittelgiganten wissen jedoch, dass die Motivation eine bestimmte Speise zu essen und sie wieder und wieder zu essen vom Gesamtgeschmack abhängt. Die Umsatzsteigerung lässt sich daher am besten durch die Modifikation der zweiten Ebene angehen – die Intensität des Geschmacks.

Industrielles Geschmackshacking

Wahrscheinlich weißt du bereits, dass es fünf Geschmacksempfindungen gibt – bitter, sauer, salzig, süß und umami. Die ersteren zwei Qualitäten sind für die Industrie nicht besonders interessant.

Der bittere Geschmack soll uns vermitteln, dass die Speise ungenießbar, oder giftig ist und der saure Geschmack, dass die Speise unreif ist. Diese Geschmacksqualitäten senken die Motivation für den weiteren Verzehr der Speisen.

Die letzteren drei Eigenschaften sind jedoch der Jackpot, denn sie machen jede Speise subjektiv leckerer. Umami ist übrigens der Fleischgeschmack und wird durch Glutamat (der „Maggi-Würfel“) vermittelt.

Streiche nun von deiner Liste aus Schritt 1 alle Speisen, die künstlich gesüßt, gesalzen oder mit Geschmacksverstärkern versehen sind. Sie stehen nämlich auf deiner Liste möglicherweise genau aus diesem Grund. Jetzt weißt du warum du die Liste brauchtest. Darunter fallen jedoch keine Speisen, die aus frischen Zutaten gekocht sind.

Wenn ich eine Bolognese-Soße selbst auf frischen Tomaten und Hackfleisch zubereite und „künstlich“ salze und einen TL Zucker beimenge, dann darf diese Speise weiterhin auf der Liste bleiben. Die Salzcracker sind jedoch gestrichen.

Schritt Nummer 3: Analysiere die Zutaten deiner Lieblingsspeisen

Deine Liste dürfte nun um viele Positionen geschrumpft sein. Das ist auch gut so, denn die restlichen Positionen halten den Schlüssel für deine individuelle Ernährung, die exakt zu dir passt bereit.

Analysiere nun, aus welchen Zutaten deine Lieblingsspeisen bestehen. Ein Chili con Carne könnte zum Beispiel aus Tomaten, Hackfleisch, Zwiebeln, Knoblauch, Kidneybohnen, Chilischoten und weiteren Zutaten bestehen.

Finde die Überschneidungen bei den verbleibenden Speisen/Lebensmitteln auf deiner Liste und stell dir immer die Frage, warum dir gerade diese Zutaten schmecken. Gibt es Zutaten, die du hinzufügen, oder weglassen würdest, wenn du die Speise selbst kochst. Zum Beispiel kann man dem Chili con Carne auch Mais hinzufügen, oder auch nicht.

Erstelle nun deine persönliche Liste aus deinen Lieblingszutaten. Welche sind dir wichtiger? Wenn du auf alle Zutaten für immer verzichten müsstest und nur noch mit 10 davon kochen dürftest, welche wären das? Und noch eindeutiger wäre es, wenn du nur noch 5 kochen dürftest?

Schritt Nummer 4: Experimentiere mit deinen Lieblingszutaten und finde deine eigenen Lieblingsrezepte

Das ist der letzte Schritt und als Abschluss ist er immens wichtig. Du kennst nun deine Lieblingszutaten ganz genau.

Stelle dir nun die folgende Frage: Gibt es Alternativen für deine Lieblingszutaten, die sehr ähnlich sind und, die du bisher nicht probiert hast? So wie schwarze Bohnen, statt Kidneybohnen im Bespiel mit dem Chili con Carne.

Auf diese Weise habe ich eine ganze Reihe neuer Zutaten für mich entdeckt, wie Kichererbsen, Süßkartoffeln, Hüttenkäse und eine ganze Welt von Chilis.

Durch die Definition deiner Lieblingzutaten und die Ergänzung dieser Liste um neue Zutaten bekommst du den Schlüssel zu Speisen, die sowohl frisch und gesund sind, als auch alle drei Ebenen deines individuellen Genusses abdecken. Anschließend kannst du mi deinen Lieblingszutaten experimentieren und neue Rezepte für dich entdecken. Und das, ohne den „Standard“-Tipp zu befolgen, den so viele Ernährungs-fluencer raus hauen „Geh doch mal auf den Wochenmarkt und kaufe ein Gemüse/Obst, welches du noch nicht kennst“.

Probiere die Methode mal aus und schreibe in dem Kommentaren, wie es für dich gelaufen ist! Ich freue mich darauf!

1 Kommentar zu „Richtige Ernährung zum Abnehmen: Ein völlig neuer Ansatz, um den Weg zu finden, der zu dir passt“

  1. Klasse Beitrag!

    Immer, wenn ich ein Thema habe (aktuell Ernährung), kommt von dir ein Blog Eintrag oder etwas auf Social Media.
    Vielen Dank dafür! Die Auflistung werde ich gleich mal in Angriff nehmen.

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